SZ-Journalist Tobias Haberl zu Besuch an den DJDS
Amberg, 20.01.2026
Wie sehr er mit dem Thema seines Buches „Unter Heiden – Warum ich trotzdem Christ bleibe“ einen Nerv der Zeit getroffen hat, zeigte der große Andrang bei der Lesung des SZ-Journalisten und Autors Tobias Haberl am Dienstagabend an den Dr.-Johanna-Decker-Schulen in Amberg. Neben ca. 80 Oberstufenschülerinnen des Gymnasiums konnte StR i.K. Oliver Weiß, der die Veranstaltung federführend organisiert hatte, weitere rund 150 interessierte Besucher begrüßen, so dass die Reihen des Gerhardingersaals fast vollständig gefüllt waren.
In dem Buch berichtet der Autor von seiner Erfahrung, als bekennender Christ und Katholik immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert zu sein. Gerade in seiner Wahlheimatstadt München, aber vor allem in seinem eher linksliberal geprägten beruflichen Umfeld bei der Süddeutschen Zeitung stößt Haberl häufig auf Unverständnis darüber, wie man als moderner Mensch noch an einen Gott glauben oder – schlimmer noch – in die Kirche gehen kann. Ohne Unrecht oder Versäumnisse seitens kirchlicher Institutionen oder Kirchenvertretern auch nur im Geringsten zu relativieren – als wohl größtes Negativbeispiel nennt Haberl den Missbrauchsskandal – bedauert er doch die Tatsache, dass Letzterer oft das Einzige sei, was viele Menschen noch mit der Katholischen Kirche verbinden, ein Eindruck, der durch eine einseitige mediale Berichterstattung noch gefördert werde. Dabei sei Kirche doch so viel mehr als das und in erster Linie dazu da, Gott und die Frohe Botschaft des Evangeliums zu den Menschen zu bringen.
Überrascht hatten Haberl die „Wäschekörbe voller Zuschriften“, die er vor einigen Jahren als Reaktion auf einen Essay im SZ-Magazin, der sich genau mit dieser Problematik auseinandersetzte, erhalten hatte. Die meisten von ihnen waren wohlwollend – für viele sprach Haberl aus dem Herzen und sie waren dankbar, dass es endlich einmal einer wagte, ein anderes Bild von Kirche zu zeichnen. Infolge dieses großen Zuspruchs (mit dem Haberl nie gerechnet hätte) beschloss er, ein ganzes Buch über das Thema zu schreiben – so war „Unter Heiden“ entstanden, aus dem der Autor an diesem Abend drei Passagen vorlas.
Zwischen den Lesungen lud er das Publikum ein, sich über das Gehörte auszutauschen und zeigte sich dabei ausdrücklich auch für kritische Einwände offen. Er lege Wert darauf, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen – der Diskurs sei wichtig, auch wenn dieser nicht immer zu einem Konsens führen könne.
Und so gab es auch in dieser Runde sehr unterschiedliche Stimmen: Einige Zuhörerinnen aus der Schülerschaft waren der Ansicht, dass Frauen in der Kirche benachteiligt werden und zeigten Unverständnis gegenüber der eher ablehnenden Haltung des Autors hinsichtlich einer möglichen Priesterweihe von Frauen. Eine derartige Reform, so Haberl, sei vom Großteil der Weltkirche gar nicht gewollt und könne im schlimmsten Fall gar zu einer Kirchenspaltung führen. Andere bedauerten, dass die Anpassung der Kirche an den gesellschaftspolitischen Zeitgeist an deren eigentlichem Kern vorbei gehe – Menschen würden ja genau deswegen in die Kirche gehen, weil sie hoffen, dort etwas anderes zu hören zu bekommen als das, was sie sowieso schon überall sonst hörten. Eine Dame, die in der Sterbebegleitung tätig ist, verwies auf die wertvolle Aufgabe der Kirche, Menschen auf ihrem letzten Weg geistlichen Beistand zu leisten – diese Dinge seien es, auf die es letztlich ankomme, keine Strukturreformen, die weniger den Menschen als die eigenen Machtansprüche im Blick hätten. Es sei gut, so sieht es auch der Autor, dass die Kirche sich gerade nicht in allem dem Zeitgeist beuge – nicht umsonst würde sich dieser ständig wandeln, während die Kirche schon seit über 2000 Jahren Bestand hat. Jesus selbst sei zu seiner Zeit ein regelrechter Revolutionär gewesen.
Neben vielen anderen Aspekten kam Haberl auf die Freiheit zu sprechen, die sich durch den Glauben eröffnet. Beispielsweise ein monastisches Leben, das auf weltlichen Besitz verzichtet, führe den Menschen viel mehr in die Freiheit als ein ständiger Medienkonsum, der sich schnell zur Sucht entwickeln könne. In unserer heutigen digitalisierten Welt sei Stille das, was der Mensch am meisten nötig habe. Der Besuch der Heiligen Messe ist für Haberl deswegen eine wunderbare Möglichkeit, für eine Stunde der Hektik des Alltags zu entfliehen, sich selbst einmal ganz zurückzunehmen und seinen Blick auf Gott zu richten.
An anderer Stelle betonte der Autor die Notwendigkeit, Kirche nicht als rein menschliche Institution zu betrachten und auch nicht aus einer Außenperspektive, als würden wir selbst nicht dazugehören. Kirche, das seien nicht einfach der Papst, die Bischöfe und Priester, sondern wir alle, die getauften Christen.
Der Erfolg seines Buches war für Haberl so überraschend wie unerwartet gekommen – die vielen Lesungen, mit denen er in ganz Deutschland unterwegs ist (heute zählt er die 123.!) versteht er inzwischen als sein persönliches Apostolat und als eine Gelegenheit, öffentlich als Christ Zeugnis abzulegen. Die Erfahrungen der letzten Jahre hätten ihn in seinem Glauben noch mehr „entflammt“ und er verspüre inzwischen einen regelrechten „Hunger“, mehr darüber zu erfahren.
Am Ende der Veranstaltung bedankte sich der Autor bei den Anwesenden für ihr Interesse und den anregenden Austausch. Den Abschluss bildeten zwei Dankesreden von Schulleiter OStD Hans Kistler und Herrn Christian Irlbacher, dem Vorsitzenden der KEB Amberg-Sulzbach, die den Abend in Kooperation mit der Schule organisiert hatte. Wer wollte, hatte noch Gelegenheit, unter vier Augen mit dem Autor ins Gespräch zu kommen oder sein Buch zu erwerben.
Text: Christine Maierhofer / Fotos: Hendrik Rosenboem